Was ist ein Maultier?

“Das Maultier scheint mir ein sehr erstaunliches Tier zu sein.

Es macht den Anschein, daß hier die Kunst

Die Natur übertroffen hat.”

                                         Charles Darwin, 1835

 

Vor ca. 3000 Jahren v. Chr. wurde das erste Maultier in Nubien geboren. Wahrscheinlich war es ein Zufall, ein Kind der Liebe. Doch schnell erkannte der Mensch die herausragenden Fähigkeiten eines Mulis und er begann, gezielt zu züchten. Zuerst geschah dies in Kleinasien. Schnell wurden sie als Arbeitstiere beliebt und ihrer Verbreitung stand nichts mehr im Wege. Selbst Könige schmückten sich gerne mit diesen Hybriden. Der Sarg des Karl des Großen wurde sogar von 64 schneeweißen Maultieren zur Grabstätte gezogen. Auch viele Mythen aus der griechischen Sage erzählen von unglaublichen Leistungen dieser Kreuzung.

 

Doch, was ist nun ein Maultier?

Ein Maultier oder auch kurz Muli genannt, ist ein Hybrid, eine Kreuzung zwischen Pferdestute und Eselhengst, im Gegensatz zum Maulesel, bei dem es genau umgekehrt ist, also Eselstute und Pferdehengst. Letztere gibt es seltener, da Pferdehengste mit dem heftigen Deckverhalten der Eselstuten nicht immer klar kommen. Maultiere und Maulesel kann man kaum auseinanderhalten. Einzig und allein an der Rückenpartie und bei den Hufen gibt es Unterschiede. Maulesel haben den Rücken und die Hufform vom Pferd, Maultiere vom Esel. Durch die Kreuzung von Esel und Pferd kommen alle positiven Eigenschaften beider Tierarten zum Vorschein – Trittsicherheit, Ausdauer, Zähigkeit, Leichtfuttrigkeit und hohe Tragfähigkeit.

 

Maultiere können sich nicht untereinander fortpflanzen. Das hängt mit der ungeraden Anzahl der Chromosomen zusammen, ein natürlicher Riegel der Natur. Nur in seltenen Fällen ist es passiert, das eine Maultierstute von einem reinen Pferdehengst oder Eselhengst ein Fohlen bekommen hat. Die Rosse der Stuten ist auch nicht so regelmäßig wie bei Pferd und Esel. Oftmals setzt sie sogar für einige Zeit aus um dann wieder in ganz kurzen Abständen aufzutreten. Maultierhengste sind generell zeugungsunfähig. Trotzdem reagieren sie auf die Rosse von allen Equiden, manchmal allerdings sehr heftig. Meist werden die Hengste deshalb schon recht früh kastriert, da sie dann händelbarer werden.

 

Spanien .- da denkt man in erster Linie an feurige Andalusier und schwarze Stiere. An Maultiere wahrscheinlich weniger. Doch sehr viele Maultiere werden dort gezüchtet und zwar mit sehr edler Abstammung. Verantwortungsvolle Züchter lassen ihre wertvollsten Andalusierstuten beim ersten Mal von einem Esel belegen. Die dann fallenden Fohlen sind leichter und kleiner. Die Stuten tun sich somit beim ersten Abfohlen leichter. Gute Maultiere werden in Spanien verehrt, mehr noch als die Pferde dort. Auf Festumzügen sieht man sie oft wunderschön geschmückt vor dem Wagen oder unter dem Reiter. Diese Tiere werden sehr hoch gehandelt und meist kommt nur der “Ausschuß” nach Deutschland. Sanchez ist so einer. Vor 10 Jahren haben wir ihn 9-jährig von einem Pferdehändler erworben. Er hat in diesen 9 Jahren achtmal den Besitzer gewechselt, nachdem er von Spanien nach Deutschland importiert wurde (das hatten wir später erfahren). Er wollte mit den Menschen nichts mehr zu tun haben und hatte dafür sehr schlagkräftige Argumente. Ich brauchte damals drei Jahre, um sein Vertrauen zu gewinnen und bis heute ist es für Fremde nicht unbedingt ratsam, sich in der Nähe seiner Hinterhufe aufzuhalten.

Maultierhengste werden in Spanien auch als sogenannte Herdenwächter eingesetzt. Die wertvollen Andalusierstuten werden herdenweise jeweils von einem Mulihengst bewacht, der sich allem Fremden, das sich den Stuten nähert, milde gesagt, sehr ablehnend verhält.

 

Maultiere verfügen über eine hohe Denkfähigkeit, die sie von den Eseln geerbt haben und sie haben, genauso wie ihre langohrigen Väter, keine Rangordnung. Dies wirft, besonders für ungeduldige Reiter, manche Probleme auf. In den USA gilt häufig der Spruch : “My mule is my therapie!”

 

Gerade in Amerika hat das Maultier einen hohen Stellenwert. Schon bei der Besiedelung war das Muli nicht wegzudenken. Allein das Twenty-Mule-Team ist ein Begriff für Kraft, Power und Ausdauer. Damals wurde Borax durch das Death Valley in Kalifornien transportiert und zwar mit 20 Maultieren! William T. Coleman, der Besitzer der Firma Harmony Borax, hatte den Mut für etwas Einzigartiges: Mit 20 Maultieren transportierte er 36 Tonnen Material. Eine Menge, die den Transport wirtschaftlich gesehen erlaubte. So wurden von ihm Straßenbaumannschaften in die Wüste geschickt, um eine Passage für den von ihm geplanten Wagenzug herzustellen. Der Zug bestand aus zwei Brückenwagen mit Seitenwänden, die mit 25 Tonnen Mineral beladen werden konnten und einem Zisternenwagen, der 1200 Gallonen Wasser faßte. Zusammen mit dem Futter und der Verpflegung ergaben es 36 Tonnen. Nur drei Personen waren nötig, um diesen Zug zu kontrollieren: der Fahrer und je ein Bremser für die anderen zwei Wagen. Im Flachland setzte sich der Fahrer auf den Bock des ersten Wagens. Der Kutscher brauchte hauptsächlich seine Stimme, um die Tiere zu kontrollieren. Die lange Peitsche nutzte der Fahrer nicht zum antreiben, sondern um mit dem Knall das Signal zum Anfahren zu geben. Heutzutage werden von Firmen wie Budweiser Werbefahrten mit dem “Twenty-Mule-Team” veranstaltet..........

 

Im Jahre 1850 wurden in den USA  559 000 Maultiere gezählt, 1900 bereits  3 321 131 und 1920   5 432 000.

Im 20. Jahrhundert nahm der Bestand stark ab, da die Maultiere durch landwirtschaftliche Maschinen ersetzt wurden.

Doch dann erlebten die Hybriden einen neuen Boom in der Freizeitgestaltung und im Sport. In vielen Disziplinen sind die Maultiere den Pferden ein gutes Stück voraus, wie z. B. Barrel-Race. Heutzutage läßt man sie kaum mehr gegeneinander antreten, um den Pferdeleuten nicht die Motivation zu nehmen.

Dann gibt es Disziplinen, die mit Pferden nicht denkbar wären, wie z. B. Coon-Jumping. Hierbei werden die Maultiere an der Hand an ein Hindernis geführt und läßt sie dann aus dem Stand darüberspringen. Ein Muli vom Militär übersprang bei einem der Turniere eine Höhe von 1,90 m! Dieser Rekord wurde bis heute nicht gebrochen. In Bishop, Kalifornien, finden alljährlich die berühmten Mule-Days statt, bei denen es sich fast eine Woche nur um das Maultier dreht. Bei diesem Spektakel hat man genügend Gelegenheit, sich diese speziellen Maultierprüfungen anzusehen, genauso wie Zuchtvorstellungen und Umzüge.

 

In Deutschland hat man die Maultierzucht nur ansatzweise betrieben. So wurden bis zum Jahre 1866 im damaligen Königreich Hannover regelmäßig Maultiere gezüchtet. Zudem setzte man Maultiere im ersten Weltkrieg zum ersten Mal in der deutschen Gebirgsartillerie ein. Sie wurden während des ersten und zweiten Weltkrieges außerdem im Landeshauptgestüt Schwaiganger und in der Klosteranlage Fürstenfeldbruck gezüchtet. Heute gibt es noch eine Maultierkompanie in Bad Reichenhall mit 36 Maultieren, die aus Italien eingeführt wurden.

Nach gut 50 Jahren nun ist die Maultierzucht in Deutschland wieder akzeptiert und dank der Arbeit von Django Thümer, der die Deutsche Maultier Arbeitsgemeinschaft (DMAG) ins Leben gerufen hatte, wurden die Mulis nach zähem Ringen vor 8 Jahren im Verband der Spezialpferderassen in Bayern wieder integriert.

 

Zum Abschluß soll noch erwähnt werden, daß es bei den Pferdeartigen noch andere Kreuzungen gibt und zwar zwischen Esel und Zebra (Zesel), sowie Pferd und Zebra (Zebroiden).         (Angelika Thümer 2005)

 

Was ist ein Maultier?

Lucky Donkey Farm

...sie lassen Dir nur genug Zeit
darüber nachzudenken,
was Du falsch gemacht hast !

Maultiere sind nicht stur...

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